1830 bis 1900 – Von Löscheimern und Feuerspritzen

Der Brandschutz in den Kinderschuhen

Die Organisation des Brandschutz- oder Feuerlöschwesens im Saarland, reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Eine Weiterentwicklung des Brandschutzes fand erst während der Industrialisierung des Saarlandes statt. In den 1880er und 1890er Jahren, wurden die meisten der heute bestehenden, Freiwilligen Feuerwehren ins Leben gerufen.

Zu dieser Zeit gehörte die damalige Ortschaft Püttlingen noch zum Bügermeisterbezirk Völklingen. So ist auch eine Beschaffung einer Feuerspritze durch den damaligen Völklinger Bürgermeister Carl Kungel im Jahre 1830 überliefert. Es wurde eine vierrädrige Druckspritze des Herstellers Druckenmüller zu einem Preis von 230 Talern beschafft. Die Lieferung des Gerätes erfolgte allerdings erst 3 Jahre später.

Mehr als 30 Jahre später überliefert eine Urkunde vom 12.12.1863, die Lieferung einer weiteren Feuerspritze für den Ort Püttlingen. Diese wurde durch den Völklinger Bürgermeister Kühlwein bei einer Aachener Firma in Auftrag gegeben:

… Für die Gemeinde Püttlingen habe ich eine zweirädrige Feuerspritze zu beschaffen, wie Sie deren bereits drei für meine Bürgermeisterei, nämlich Fürstenhausen, Wehrden und Rockershausen, bereits 1860 geliefert haben. Ich will Ihnen auch diese Spritze zu demselben Preis in Bestellung geben, wenn Sie sie bald liefern können und bitte auf derselben den Namen „Püttlingen“ anzubringen…

Der Spritzenwagen wurde im alten „Spritzenhaus“ in der unteren Bengeserstraße untergebracht. Das Spritzenhaus diente dabei aber nicht nur als Herberge für das Feuerlöschgerät, sondern wurde auch als Unterbringung festgenommener Landstreicher, Bettler und sonstiger Krimineller dienen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das saarländische Feuerlöschwesen von seiten des Staates zunehmend gesteuert und neu organisiert. In der Folge wurden auch die ersten Freiwilligen Feuerwehren im Saarland gegründet.

Die Gründungsjahre

So auch in Püttlingen. Nach einer vorausgehenden, öffentlichen Bekanntmachung, fand am 15. August 1882 im Lokal Baldes die Gründungsveranstaltung für die Freiwillige Feuerwehr Püttlingen statt. Rund 30 Männer, meist Handwerker und Gewerbetreibende, erschienen zur Gründung.

Erster Vorsitzender des Brandkorps und Mitgründer, wurde der damalige Püttlinger Bürgermeister Pickard. Die erste Dienstordnung der Freiwilligen Feuerwehr Püttlingen wurde am 17. September 1882 erlassen. Am 4. Dezember des gleichen Jahres, wurde die Dienstordnung von der königlichen Regierung, Abteilung des Inneren, in Trier genehmigt.

Die Mitglieder der Feuerwehr waren zunächst nur durch Armbinden gekennzeichnet. Sie hatten einen monatlichen Beitrag von 20 Pfg. zu zahlen, mit dem die Kosten für die Anfertigung der damaligen Drillich-Anzüge finanziert wurde. Wegen fehlender Zuschüsse der Gemeinde, musste die Feuerwehr ihre Bekleidungskosten selbst aufbringen. Lediglich für die Unterhaltung der Feuerspritze gab es einen jährlichen Zuschuss von 15 Mark für die Feuerwehrkasse.

Die Arbeit der Feuerwehr war damals sicherlich keine Leichte. Die Spritzenwagen mussten mühsam mit Ledereimern aus dem Köllerbach und seinen Seitenbächen oder aus den Dorfbrunnen gefüllt werden. Wasserleitungen gab es damals noch nicht.

Die Alarmierung der Feuerwehr und Anwohner erfolgte damals über Hornbläser, bis die Sturmglocke der Pfarrkirche im Ortsteil Berg den Ausbruch eines Feuers verkündete. Alle, die den Feueralarm gehört haben, machten sich dann auf den Weg zum Spritzenhaus. Von dort aus mussten dann die Spritzenwagen, der Schlauch- und Eimerwagen und der Leiter- und Gerätewagen von Hand zur Einsatzstelle gezogen werden. Dort warteten meist die Knaben der oberen Schulklassen, zusammen mit hilfsbereiten Nachbarn, um eine Eimerkette vom nächsten Brunnen oder Gewässer bilden zu können.

Waren die Wasserentnahmestellen zu weit entfernt, mussten die Spritzen zunächst zur nächsten Wasserentnahmestelle gezogen werden. Aufgrund der schlechten Straßen, schwappte das Wasser oft wieder aus den Löschwasserbehältern. Ein spezielles Problem hatte der Ortsteil Ritterstraße. Bedingt durch seine hohe Lage und einen entsprechend beschwerlichen Anmarschweg für Mensch und Material, gab es dort oft bei der Ankunft nichts mehr zu löschen.

Während die Feuerwehr in Püttlingen zu ihrer Gründung nur 26 Mitglieder zählen konnte, war zum 17.01.1886 im Beschlussbuch des Feuerwehrkoprs Püttlingen bereits die Rede von 42 Mitgliedern.

Im Mai 1894 wurde das Püttlinger Brandschutzkorps Mitglied im Feuerwehrverband der Rheinprovinz.