Am Samstag, 6. September 2025, wurde es für die Feuerwehr Püttlingen ernst – wenn auch nur im Rahmen einer groß angelegten Übung. Unter dem Szenario eines schweren Herbststurms mit dem Namen „Lotte“ galt es, innerhalb weniger Stunden eine Vielzahl von Einsatzstellen im gesamten Stadtgebiet zu bewältigen. Beteiligt waren rund 60 Einsatzkräfte aus allen drei Löschbezirken Püttlingen, Köllerbach und Herchenbach.
Die Lage war anspruchsvoll: Orkanartige Böen, Starkregen und Überflutungen hatten in der Übungsannahme weite Teile des Stadtgebiets in Mitleidenschaft gezogen. Keller standen unter Wasser, umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Personen wurden vom Wasser eingeschlossen. In Köllerbach wurde auf Höhe der Burg Bucherbach sogar eine Weltkriegsbombe freigespült. Besonders sensibel war die Situation am AWO-Wohnheim am Senftenberger Platz, das durch den ansteigenden Pegel des Köllerbachs bedroht war und priorisiert evakuiert werden musste. Weitere Einsatzstellen fanden sich unter anderem an verlegten Rechen im Bereich der Dr.-Plaßmann-Straße, einer blockierten Unterführung am Rathausplatz oder in Wohngebieten, wo entwurzelte Bäume Dächer und Fahrzeuge beschädigt hatten.
Insgesamt wurden rund 70 Einzellagen eingespielt – genug, um die eingesetzten Kräfte sowohl auf den Fahrzeugen als auch in der Technischen Einsatzleitung und bei der Stabsarbeit im Gerätehaus Püttlingen realistisch zu fordern.
Das neue Einsatzführungskonzept im Praxistest
Besonderes Augenmerk der Übung lag auf der Erprobung des neuen Einsatzführungskonzeptes, das die Feuerwehr Püttlingen erst kürzlich verabschiedet hat. Dieses fasst die Erfahrungen vergangener Großschadensereignisse zusammen, wie etwa dem Pfingsthochwasser 2024 in Püttlingen. Auch die Lehren aus der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal 2021 sind eingeflossen.
Zentrales Element ist die Einrichtung einer Technischen Einsatzleitung (TEL) im Gerätehaus Püttlingen, die von einem Führungsstab unterstützt wird. Dieser übernimmt im Einsatzfall eine Vielzahl wichtiger Aufgaben, unter anderem:
- den Überblick über die Gesamtlage zu bewahren und zu bewerten,
- die verfügbaren Kräfte und Einsatzmittel zu koordinieren und ggf. nachzufordern,
- und die Versorgung der Einsatzkräfte zu organisieren.
Durch dieses Konzept soll gewährleistet werden, dass die Feuerwehr auch bei einer Vielzahl paralleler Einsätze in solchen Flächenlagen handlungsfähig bleibt und gezielt Schwerpunkte setzen kann.
Neben den drei Löschbezirken waren auch externe Partner Teil der Übung. Fachberater des THW unterstützten die Stabsarbeit. Ein sogenannter Gegenstab spielte Rückmeldungen von „außen“ ein, etwa Bürgeranfragen, Anforderungen der Polizei oder Meldungen von übergeordneten Stellen – ein wichtiger Baustein, um den Ernstfall möglichst realitätsnah nachzubilden. Gerade bei Flächenlagen ist die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten ein elementarer Bestandteil für eine erfolgreiche Bewältigung.
Eine Übung dieser Größenordnung erfordert eine intensive Vorbereitung. Bereits Wochen zuvor wurden die Szenarien detailliert geplant, Einsatzstellen festgelegt und Abläufe abgestimmt, damit am Übungstag ein reibungsloser Ablauf möglich war.
Begleitet wurde die Übung zudem von internen und externen Übungsbeobachtern, die die Abläufe in der TEL, die Arbeit des Führungsstabes sowie den Einsatz draußen im Stadtgebiet unter die Lupe nahmen. Ziel war es, neben dem Eigenfeedback der Kräfte auch eine neutrale Perspektive zu erhalten, um die Abläufe weiter verbessern zu können.
Zum Abschluss kamen alle Kräfte im Gerätehaus Püttlingen zusammen. Die Übung hat gezeigt, dass die Feuerwehr Püttlingen mit ihren drei Löschbezirken für komplexe Flächenlagen mit dem neuen Einsatzführungskonzept gut aufgestellt ist. Gleichzeitig wurden wertvolle Erkenntnisse gewonnen, wie die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Verwaltung, Behörden und Hilfsorganisationen sowie die Stabs- und Führungsstrukturen noch effektiver gestaltet werden können.
Die Wehrführung, vertreten durch Thomas Prinz und seinen Stellvertreter Ruwen Dümont, bedankte sich bei Maximilian Schneider für die herausragende Ausarbeitung und Durchführung der Übung sowie bei allen Kräften, die bei der Vorbereitung der Übungslagen im Stadtgebiet unterstützend mitgewirkt hatten. Auch die große Beteiligung der Einsatzkräfte aus den Löschbezirken fand lobende Worte.
„Solche Übungen sind unverzichtbar, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Nur wenn Abläufe realistisch trainiert werden, können wir sicherstellen, dass im Schadensfall alles Hand in Hand funktioniert“, lautet das Fazit der Wehrführung.





